Figuren sprechen lassen.
Figuren entwickeln, Stimmen gestalten und Dialoge lebendig erzählen
Eine fleischfressende Pflanze, ein König, ein Eichhörnchen, ein alter Mann oder ein Drache – sobald Figuren in einer Geschichte zu sprechen beginnen, werden sie lebendig. Doch wie finden wir eine Stimme, die wirklich zu einer Figur passt? Wie unterscheiden wir mehrere Figuren voneinander, ohne unsere Stimme zu verbiegen? Und wie schaffen wir es, dass der König auch nach zwanzig Minuten noch wie der König vom Anfang klingt?
In dieser Werkstatt beschäftigen wir uns intensiv mit der Arbeit an Figuren und ihren Stimmen. Dabei beginnt die Figurenarbeit lange bevor eine Figur den Mund aufmacht: Wir wollen sie verstehen. Wer ist sie? Was treibt sie an? Was will sie, was fürchtet sie, wie begegnet sie anderen? Wir analysieren Figuren und entwickeln daraus Haltung, Körpersprache, Ausdruck und schließlich ihre ganz eigene Art zu sprechen.
Dann gehen wir auf Entdeckungsreise mit unserer Stimme. Welche Möglichkeiten haben wir, Figuren stimmlich zu unterscheiden? Wir experimentieren mit Tonhöhe, Tempo, Rhythmus, Resonanz, Lautstärke und Sprachmelodie und schauen dabei besonders darauf, welche Möglichkeiten jeder Einzelne mit seiner eigenen Stimme hat. Außerdem beschäftigen wir uns damit, wie wir eine einmal gefundene Figurenstimme zuverlässig wiederfinden und auch über eine längere Geschichte hinweg beibehalten können – ohne unsere Stimme unnötig zu belasten.
Natürlich lassen wir unsere Figuren auch miteinander reden. Wir arbeiten an Dialogen, Blickrichtungen, Körper- und Kopfpositionen und an der Frage, wie Figuren in emotionalen Situationen sprechen. Was passiert bei Wut, Angst, Trauer oder Aufregung? Wie viel davon braucht die Stimme – und wann wird es zu viel?
Gerade bei mehreren Figuren können Dialoge schnell kompliziert werden. Deshalb schauen wir uns an, wie wir Gespräche vereinfachen und an welchen Stellen der Erzähler wieder übernehmen kann. Denn nicht alles muss von den Figuren selbst gesagt werden.
Dabei nehmen wir auch unsere eigene Erzählerstimme unter die Lupe: Wie klinge ich eigentlich, wenn ich erzähle? Verändere ich meine Stimme? Habe ich eine bestimmte Erzähltonalität? Und vor allem: Wie möchte ich mich beim Erzählen anhören?
Und schließlich widmen wir uns einer besonderen Herausforderung des freien Erzählens: Was tun wir, wenn eine Figur in unserer Vorlage gar keinen eigenen Text hat – wir sie aber gerne sprechen lassen möchten? Wie finden wir Worte, die zu dieser Figur, zur Situation und zur Geschichte passen?
An den vier Abenden wird viel ausprobiert, erzählt, verworfen und neu versucht. Wir arbeiten mit Figuren und Szenen, die wir zur Verfügung stellen, aber auch mit Figuren aus euren eigenen Geschichten. Bringt deshalb gerne eure schwierigen Fälle mit: die Figur, deren Stimme ihr einfach nicht findet, den Dialog, bei dem ihr euch regelmäßig verheddert, oder den Charakter, der beim Erzählen noch nicht so recht lebendig werden will.
Die Werkstatt richtet sich an Erzählerinnen und Erzähler mit ersten Erzählerfahrungen ebenso wie an Fortgeschrittene. Ihr müsst keine Profis sein – ein wenig Erfahrung mit dem freien mündlichen Erzählen solltet ihr jedoch bereits mitbringen.
- Termine: Montag, 14., 21. und 28. September sowie 5. Oktober 2026
- Uhrzeit: jeweils 19:00–21:00 Uhr
- Ort: online per Zoom
- Dozentin: Karin Wedra
- Umfang: 4 Abende à 2 Stunden
- Kosten: 248 Euro
- Max. 12 Teilnehmer
- Anmeldung unter: info@die-sprechwerker.de


