Die Handschrift des Erzählers
Was macht einen Erzähler unverwechselbar?
Viele Erzähler beschäftigen sich über Jahre mit Geschichten, Märchen, Stimme, Sprache, Figuren und Bühnenpräsenz. Sie lernen Techniken, erweitern ihr Repertoire und sammeln Auftrittserfahrung. Doch irgendwann taucht eine andere Frage auf: Wie erzähle ich eine Geschichte so, dass man merkt, dass sie von mir erzählt wird?
- Warum erzählt derselbe Text bei zwei Erzählern völlig unterschiedlich?
- Warum erkennen wir manche Erzähler schon nach wenigen Minuten wieder?
- Und wodurch entsteht eigentlich eine persönliche Handschrift?
In diesem Seminar verlassen wir die Ebene der reinen Technik und richten den Blick auf das, was hinter dem Erzählen liegt. Gemeinsam erforschen wir die Elemente, die einen Erzähler unverwechselbar machen: die eigene Haltung, die Auswahl der Geschichten, die Dramaturgie, die Gestaltung von Figuren und die besondere Art, mit der jeder von uns sein Publikum erreicht. Dabei geht es nicht darum, einen neuen Stil zu lernen oder jemand anderem ähnlicher zu werden. Ziel ist es, die eigene künstlerische Persönlichkeit bewusster wahrzunehmen, weiterzuentwickeln und ihr mehr Raum zu geben.
1. Abend: Die eigene Erzählpersönlichkeit entdecken
Welche Geschichten ziehen mich immer wieder an? Welche Themen begleiten mich seit Jahren? Erzähle ich eher humorvoll, poetisch, spannend oder nachdenklich? Und was sagt das über mich als Erzähler aus? Wir erkunden die persönlichen Vorlieben, Motive und Haltungen, die das eigene Erzählen prägen, und entdecken erste Spuren der individuellen Handschrift.
2. Abend: Die unsichtbare Dramaturgie
Viele Erzähler achten auf den Text. Große Erzähler achten auf die Bewegung der Geschichte. An diesem Abend beschäftigen wir uns mit Spannung, Rhythmus, Erwartung, Überraschung und der Kunst, Aufmerksamkeit zu lenken. Wir betrachten die unsichtbaren Kräfte, die Geschichten lebendig machen und Zuhörer in ihren Bann ziehen.
3. Abend: Figuren lebendig machen
Oft erinnern sich Zuhörer weniger an die Handlung als an die Menschen darin. Wie entstehen Figuren, die berühren, faszinieren oder irritieren? Wie lassen sich Wünsche, Ängste, Eigenheiten und Beziehungen sichtbar machen? Und wie viel Schauspiel braucht ein Erzähler überhaupt? Wir experimentieren mit Perspektiven, Dialogen und Figurenzeichnung und entdecken neue Möglichkeiten, Geschichten mehr Tiefe zu verleihen.
4. Abend: Die eigene Handschrift schärfen
Hier laufen alle Fäden zusammen. Welche Geschichten passen wirklich zu mir? Was macht meinen Stil aus? Wofür möchte ich als Erzähler stehen? Und wie entsteht daraus ein unverwechselbares Profil? Zum Abschluss arbeiten alle Teilnehmer an einer eigenen Geschichte und erforschen bewusst ihre ganz persönliche Art des Erzählens. Denn oft beginnt die spannendste Entwicklung nicht mit einer neuen Technik, sondern mit der Frage: Wie erzähle ich diese Geschichte so, dass sie wirklich meine Geschichte wird?
Konditionen:
- Termine Dienstagabend jeweils von 19 bis 21 Uhr: 30. Juni / 7. Juli / 14. Juli und 21. Juli 2026
- 4 Online-Abende à 2 Stunden
- Technik: Zoom
- Preis: 248 Euro
- Dozentin: Karin Wedra


